Platzhalterbild Platzhalterbild Platzhalterbild
Stampfenbachplatz
Walchestrasse 11
CH 8006 Zürich
TEL + 41 (0)44 434 10 00

Rechtliches
Impressum
zuletzt geändert: 14.06.2017

IZZ - News Juni 2017


Perforierende Dermatose

Professor WenChieh Chen


Die perforierende Dermatose ist eine unklare und sehr wahrscheinlich unterdiagnostizierte Hauterkrankung. Sie zeigt sich durch mehrere bis zahlreiche, disseminierte, 0.2-1 cm grosse, langsam wachsende, rote, stark juckende Papeln mit zentraler vulkankraterartiger Eröffnung und harter, festhaftender, meist eingesunkener  Kruste, meistens gefolgt von narbiger Abheilung innert 4 bis 10 Wochen. Man unterscheidet zwischen einer primären und einer sekundär erworbenen Form. Die erworbene, perforierende Dermatose steht oft mit chronischer Niereninsuffizienz und schlecht kontrolliertem Diabetes mellitus im Zusammenhang. Schätzungsweise leiden 10% bis 20% der Patienten mit chronischer, terminaler Niereninsuffizienz an diesem Problem. Seltenerweise kann das Hautleiden auch im Rahmen einer Krebserkrankung oder als unerwünschte Arzneimittelwirkung auftreten. Es gibt Einzelfallberichte bei Behandlungen mit Telaprevir (Virostatikum bei Hepatitis-C-Infektion), Sorafenib (gezieltes Krebstherapeutikum) und Natalizumab (Biotherapeutikum bei multipler Sklerose).

Die Therapie ist schwierig und unbefriedigend. Vor allem der unerträgliche Juckreiz ist hartnäckig. Neben topischer Behandlung mit hochpotentem Kortikosteroid oder mit Vitamin D-Analoga, kämen auch die UVB-Bestrahlung mit UVB 311nm und die Kryotherapie mit Stickstoff in Betracht. Der Vorteil der UVB-Bestrahlung besteht darin, dass man damit bei Nierenversagen gleichzeitig den oft begleitenden, generalisierten, urämischen Pruritus lindern kann. Der Nutzen einer systemischen Verabreichung von Allopurinol wurde schon mehrmals in der Literatur erwähnt, aber bisher noch nicht durch solide wissenschaftliche Daten bestätigt.

-------------------------------------------------------------------------


IZZ - News Mai 2017


Neues zur polymorphen Lichtdermatose (Sonnenallergie)

Professor WenChieh Chen


Die polymorphe Lichtdermatose, auch polymorphes Lichtexanthem (PMLE) genannt und im Volksmund als Sonnenallergie bezeichnet, stellt eine Hautreaktion bei Überempfindlichkeit auf die Sonnenbestrahlung dar. Sie wird hauptsächlich durch den UVA (Wellenlänge 320-400 nm) Anteil des Sonnenlichts, insbesondere die UVA1 Strahlung (Wellenlänge 340-400 nm) hervorgerufen. Sie tritt erstmals meinst in den ersten drei Lebensjahrzehnten auf, etwas später bei Männern als bei Frauen, aber generell selten vor der Pubertät oder nach der Menopause. Schätzungsweise 10-20% der hiesigen Bevölkerung leiden an dieser Überempfindlichkeitsreaktion, die bei dunkelhäutigen Menschen seltener vorzukommen scheint. Oft wird sie fehldiagnostiziert, wenn sie sich z.B. in Form eines sandpapierartigen Hautausschlages zeigt. PMLE kann sich auch nur auf eine Körperstelle beschränken, z.B. am Ohr überwiegend an der Ohrhelix oder im Ellenbogenbereich. In einer Studie wurde gezeigt, dass etwa die Hälfte der Patienten mit bekanntem Lupus bei Sonnenexposition eine PMLE anstatt eines Hautlupus entwickelt hatte, wobei diese Unterscheidung für die Patienten selbst schwierig sein kann. Die symptomatische Therapie mit einer Kortikosteroid-Crème und einem oralen Antihistaminikum reicht bei den meisten Betroffenen von PMLE zur Linderung aus, da die Rückbildung auch spontan, d.h. ohne Behandlung, innert ein bis drei Wochen zu erwarten ist. Vorbeugend wird neben dem konsequenten, umfassenden Sonnenschutz die mässig wirksame Phototherapie durch langsame Lichtgewöhnung (light-hardening) im Frühjahr eingesetzt. Aufgrund der aktuellen wissenschaftlichen Datenlage zeigen auch folgende Wirkstoffe bei prophylaktischer Anwendung gutes Potenzial das Auftreten der PMLE zu verhindern. Allerdings fehlen bislang gute, umfangreiche, kontrollierte klinische Studien zur Bestätigung der therapeutischen Wirksamkeit. Afamelanotid Afamelanotid (Scenesse®) ahmt das physiologische Melanozyten-stimulierende Hormon (a-Melanotropin, a-MSH) nach und verstärkt so die Hautpigmentierung durch die Melaninbildung in den hierfür spezialisierten Hautzellen, den Melanozyten. Das Medikament ist zurzeit in der Schweiz und der EU nur zur Therapie einer sehr seltenen, genetisch bedingten und äusserst schweren Licht-Unverträglichkeit, der erythropoetischen Protoporphyrie, zugelassen. Karotinoide Eine neue Studie zeigte, dass Karotinoide die Indikatoren von Lichtschäden wie Hämoxygenase 1, interzelluläres Zelladhäsionsmolekül 1 (ICAM-1) und Matrix-Metallopeptidase 1 (MMP1) nach UVA1- und UVA/B Bestrahlung deutlich vermindern konnte. Zu den Karotinoiden zählen z.B. ?-Caroten, Lycopin und Lutein. 


Literaturverzeichnis

1. Kontos AP et al. Polymorphous light eruption in African Americans: pinpoint papular variant. Photodermatol Photoimmunol Photomed. 2002;18(6):303-6.

2. Kim A et al. Photosensitivity in cutaneous lupus erythematosus. Photodermatol Photoimmunol Photomed 2013;29(1):4-11.

3. Molina-Ruiz AM et al. Spring and summer eruption of the elbows: a peculiar localized variant of polymorphous light eruption. J Am Acad Dermatol 2013;68(2):306-12.

4. Marini A et al. Prevention of polymorphic light eruption by oral administration of a nutritional supplement containing lycopene, ß-carotene, and Lactobacillus johnsonii: results from a randomized, placebo-controlled, double-blinded study. Photodermatol Photoimmunol Photomed. 2014;30(4):189-94.

5. Nabatian AS et al. Juvenile Spring Eruption: A Variant of Perniosis? Am J Dermatopathol 2015;37(9):721-3.

6. Minder EI et al. Pharmacokinetics and Pharmacodynamics of Afamelanotide and its Clinical Use in Treating Dermatologic Disorders. Clin Pharmacokinet. 2017 Jan 6.

7. Grether-Beck S et al. Molecular evidence that oral supplementation with lycopene or lutein protects human skin against ultraviolet radiation: results from a double-blinded, placebo-controlled, crossover study. Br J Dermatol 2017;176(5):1231-1240.

-------------------------------------------------------------------------


IZZ - News April 2017


5-Fluorouracil zur Behandlung von Keloiden

Referenzartikel: Shah VV et al, Dermatol Ther (2016) 6:169-83.

Professor WenChieh Chen


Keloide sind überschiessende Narbenbildungen, die definitionsgemäss das ursprüngliche Narbenfeld überschreiten und länger als sechs Monate verbleiben. Die Keloidbehandlung ist oft schwierig und langwierig, mit unbefriedigenden Ergebnissen, einer hohen Rezidivrate nach Therapieende, und sogar Fortschreiten der Krankheit während der Therapie. Die Injektion von Glukokortikoid in das Narbengewebe und die Vereisung mit flüssigem Stickstoff sind die klassischen Therapiemethoden. Die Wirksamkeit der Laserbehandlung wird kontrovers diskutiert, während die Kompressions- und Okklusionstherapien mit Silikon normalerweise nur eine Linderung von Jucken und Schmerzen zeigen. Die chirurgische Teilresektion und die niedrig dosierte Röntgenbestrahlung können in Kombination bei den schwersten Fällen mit grosser Vorsicht eingesetzt werden, wobei der Erfolg leider unvorhersehbar ist. Eine umfassende Übersichtsarbeit von Shah V.V. et al. von 2016 aus den U.S.A. hat gezeigt, dass Injektionen von 5-Fluorouracil, insbesondere zusammen mit Glukokortikoid, eine wirksame und sichere Therapie hartnäckiger Keloide darstellt. Aus insgesamt 147 publizierten Berichten wurden 21 den Qualitätsanforderungen entsprechende Studien analysiert und bewertet. 5-Fluorouracil wurde mit einer maximalen Dosis von 100 mg in ein- oder zweiwöchentlichem Abstand über einen Zeitraum von vier bis 16 Wochen in die Keloide gespritzt. Eine Verminderung des Narbenvolumens um 50-90% über die Dauer von sechs Monaten oder länger konnte damit erzielt werden. Die häufigsten Nebenwirkungen waren lokale Schmerzen und Pigmentstörungen, und selten oberflächliche Nekrosen an den Injektionsstellen. Weitere unerwünschte, insbesondere systemische Arzneimittelwirkungen von 5-Fluorouracil wurden in den berücksichtigen Studien nicht beobachtet. Die Erkenntnisse der hier beschriebenen Übersichtsarbeit sind wesentlich, auch wenn sie durch die folgenden Gegebenheiten der einbezogenen Studien eingeschränkt werden. Der Vergleich ihrer Resultate wird durch die unterschiedlichen Studienanordnungen erschwert. Zu Kritik Anlass geben das allgemein schlecht definierte Mass der Besserung von Keloiden, die zu kleine Anzahl der jeweiligen Studienteilnehmer, sowie das Fehlen von Vergleichsgruppen.

-------------------------------------------------------------------------

IZZ - News März 2017

Acne inversa ist keine Akne: Ein Namensirrtum im Zeitverlauf

Referenzartikel: Chen W, Plewig G., Exp Dermatol. 2016 Sep 13. [elektronische Vorpublikation]

Professor WenChieh Chen

Die Erkrankung Hidradenitis suppurativa/Acne inversa hat eine lange Geschichte in der medizinischen Wissenschaft. Erstmalig beschrieben wurde sie 1839 von Velpeau bei einem Patienten mit Abszessbildung im Achsel-, Brust- und Perianalbereich. Auf die Beteiligung der Schweissdrüse in den Entzündungsherden wurde erstmals 1854 von Verneuil hingewiesen. Pollitzer schlug 1894 den Name „Hidradenitis destruens suppurativa“ vor. Kierland berichtete 1951 von einem Zusammenfallen von Acne conglobata (die schwerste Form der Akne), Perifolliculitis capitis abscedens et suffodiens (eine tiefe Entzündung der Haarfollikel am Kopf) und Hidradenitis suppurativa. Später bezeichneten Pillsbury, Shelley und Kligman die Koexistenz dieser drei Krankheiten als follikuläre Okklusionstriade. Plewig und Steger schlugen 1989 den Namen Acne inversa Bezeichnung für die gesamte Akne-Tetrade aus Acne conglobata, Hidradenitis suppurativa, Perifolliculitis capitis abscedens et suffodiens sowie Pilonidalsinus (Steissbeinzyste) vor. Neuere Erkenntnisse anhand von klinischen und histolo-pathologischen Studien zeigen, dass diese rätselhafte, qualvolle Erkrankung weder eine Akne, noch ein Schweissdrüsenabszess, sondern eine Entzündung der Terminalhaarfollikel (Borstenhaare) ist. Im Referenzartikel stellten die Autoren dafür die neue Bezeichnung Dissecting Terminal Hair Folliculitis (DTHF) vor. Der Krankheitsbeginn tritt meistens in den Öffnungen der Haarfollikel, den Akroinfundibula,, in den Körperfalten mit einer bisher ungeklärten Brüchigkeit des dortigen Gewebesegmentes auf. Die geborstenen Haar-Schweissddrüsen-Ausgänge lösen eine Überreaktion der angeborenen Immunität primär ohne infektiöses Agens aus, welche zu einer heftigen, stürmisch auf alle umliegenden Gewebe übergreifenden Entzündung führt. Eine sekundäre bakterielle Infektion tritt oft begleitend auf und verschlimmert den Zustand. Es gibt Hinweise darüber, dass die Perifolliculitis capitis abscedens et suffodiens und der Pilonidalsinus regionale Varianten von DTHF sind und durch identische Krankheitsmechanismen verursacht werden. Die Ergebnisse verschiedenster Therapieversuche der DTHF bleiben enttäuschend. Die übliche antibiotische Therapie hilft wenig. Bestimmte Biopharmaka zeigen eine deutliche Hemmung der Entzündung bei gewissen, allerdings unklar definierten Patientengruppen. Diese entzündungshemmende Wirkung führt aber nur zu einer vorübergehenden Linderung und nicht zu anhaltender Heilung. Auch gibt es nur wenig Evidenz für die Wirksamkeit der Behandlung mit Haarepilation oder Lichtbestrahlung (photodynamische Therapie). Gemäss den beiden Autoren bleibt zur Zeit als einzige möglicherweise heilende Methode bei schwerwiegenden Fällen nur die frühzeitige, radikale chirurgische Sanierung aller betroffenen Gewerbe.

-------------------------------------------------------------------------

IZZ - News Februar 2017

Phototherapie hilft bei chronischem Nesselfieber

Professor WenChieh Chen

Urtikaria (Nesselfieber) in ihrer chronischen Form (Krankheitsdauer länger als sechs Wochen) ist oft schwer zu behandeln. Sie wird mit dem Fachbegriff chronisch, spontane Urtikaria (CSU) bezeichnet. Patienten müssen täglich bis zu vier Tabletten eines Antihistaminikums als Dauertherapie einnehmen, damit das quälende Jucken, die Quaddeln und Schwellungen unterdrückt werden können. Müdigkeit und Benommenheit sind die häufigsten Nebenwirkungen der Antihistaminika, welche die Lebensqulität beeinträchtigen können. Ein Rückfall nach Therapieende ist häufig. Zum Teil wird auch ein Kortikosteroid (Kortisonabkömmling) benötigt, welches wegen dessen Nebenwirkungen bei Urtikaria nur für wenige Tage eingesetzt werden sollte. Die Ursachen der Urtikaria bleiben unklar und Allergie spielt dabei selten eine zentrale Rolle.

Neulich hat eine Arbeitsgruppe aus Chandigarh Indien in der hochrangigen Fachzeitschrift Journal British Journal of Dermatology die Ergebnisse einer randomisierten, prospektiven Vergleichsstudie veröffentlicht. Sie zeigt, dass die Lichttherapie (Phototherapie) eine wirksame und sichere Therapiemöglichkeit bei der kortikosteroidabhängigen, therapieresistenten chronischen spontanen Urtikaria ist.. Untersucht wurden dabei insgesamt 50 Patienten mit einer chronischen über sechs Monate anhaltenden Urtikaria, die keine Besserung unter Antihistaminika nach 3 Monaten zeigten und eine Kortkosteroidtherapie bedurften. Die Hälfte der Patienten erhielt eine Art der Lichttherapie, PUVA (Psoralen plus Ultraviolet A), die andere Hälfte die andere Art Lichttherapie, Schmalspektrum-UVB (nb-UVB), drei Mal pro Woche für insgesamt 90 Tage. Alle untersuchten Patienten nahmen weiterhin über die gesamte Studienzeit täglich 10mg vom Antihistaminikum Levocetirizin ein. Die Bewertung der Krankheitsaktivität mit dem urticaria activity score vor und gleich nach Therapieschluss zeigte eine durchschnittliche Verminderung der Krankheitsaktivität von 60% bei der PUVA-Therapie und von 75% bei der nb-UVB-Bestrahlung. Die Verbesserung blieb bis zu 180 Tagen nach Therapiebeginn erhalten. Es gab keine nennenswerten Nebenwirkungen und keinen Abbruch der Phototherapie unter den untersuchten Patienten. Aus ethischen Gründen wurde bei dieser Studie keine Vergleichsgruppe mit Placebo, d.h. ohne Lichttherapie, behandelt. Es darf vermutet werden, dass die Phototherapie auf die Mastzellen und die Entzündung in der Haut wirkt, welche die Krankheit unterhalten.

Das IZZ Immunologie-Zentrum Zürich setzt ein Gerät der neusten Generation zur Phototherapie mit ausschliesslich hocheffizierter nb-UVB-Bestrahlung ein. Es eignet sich auch für diesen neuen Therapieeinsatz bei chronisch, spontaner Urtikaria.

Zudem besteht bei fehlendem Therapieerfolg die Möglichkeit von Omalizumab, welches monatlich als Spritze verabreicht wird. Eine langdauernde Besserung nach einer Behandlungsdauer von bis zu 6 Monaten bleibt damit bisher ungewiss.